Zurückversetzt in die 30er Jahre

Von Durban nach Pretoria - eine Abenteuerreise im luxeriösesten Zug des schwarzen Kontinents,um als privilegierter Reisender den Zauber Afrikas zu erkunden.

Der „dunkelgrün glänzende“ viktorianische Zug – Rovos Rail oder Pride of Africa ist die afrikanische Alternative zum Orientexpress - er durchquert einmal im Jahr auf 6.100 km die Schienen des schwarzen Kontinents durch den Süden und Osten (von Kapstadt bis zur Hafenstadt Dar Es Salaam). Der Traumzug mit seinen 21 Waggons und Platz für 72 Gäste fährt vorbei an Wein- und Weidelandschaften, Seen, Wasserfällen, Flußlandschaften, Nationalparks oder Bergmassiven und verbindet somit Naturschönheiten des Landes mit einem Hauch Eisenbahnromantik und Luxus pur rund um die Uhr.

Was mit einem Hobby begann, endete mit einem einzigartigem Reiseerlebnis: Rohan Vos wollte 1986 für seine Familie zwei bis drei eigene, historische Waggons in Form eines „Familiy-Caravans on Rail“ für Touren durch Südafrika herrichten lassen. Diese sollten dann an Züge der Staatsbahnen angehängt werden. Leider war die Idee für einen Privatmann wie Rohan Vos es war, zu kostspielig; „Aber niemals aufgeben, Stärke zeigen und an den Zügen festhalten“ war/ist sein Motto. Und er sollte recht behalten: ->1989 Gründung und Jungfernfahrt des luxuriösesten Zuges Südafrikas, dem Rovos Rail.

Rovos Rail ist eine Eisenbahnsparte, die Luxuszüge auf dem Kapspur Netz des südlichen Afrikas betreibt. Das Unternehmen hat seinen Sitz im südafrikanischen Pretoria – Zugzwischenfälle gab es nur zweimal. Die Schaltzentrale sowie die Hauptverwaltung ist Capital Park Station, der in den 30er Jahren Rangier-Bahnhof war und heute ein historisch restaurierter, von Bäumen umgebener Privat-Bahnhof mit Lounge ist; er ist der ganze Stolz des ehemaligen Ersatzteilhändlers und Pioniers Vos, dessen Traum es immer war, Südafrika auf Schienen zu durchqueren.

In Capital Park Station werden die Züge gewartet, die Öfen nachts geheizt oder Waggons (einige stammen von 1911) und Loks repariert (seit 1997 gibt es Werkstätten) sowie vorbereitet; wobei jede Lok ihre eigene Geschichte hat und alle Namen der Familienmitglieder (Brenda, Lindi Lu, Bianca...) des Zugeigentümers tragen. Zu Rovos Rail gehören heute auch fünf aufwändig wiederhergestellte Dampfloks und drei historische Kleinflugzeuge. Seit Ende der 80er Jahre restauriert Vos privates Unternehmen mit viel Liebe zum Detail historische Zugwagen, um das Ambiente vergangen Epochen mit allem Komfort der Neuzeit zu verbinden.

 

Der Nostalgiezug mit Fünf Sterne Luxus hat einen Salonwagen, der zum Verweilen einlädt und zwei restaurierte Restaurantwagen aus der edwardianischen - bzw. Art deco Epoche mit Platz für 42 Gäste. Der Speisewagen No. 195 "Shangani" beispielsweise im Jahr 1924 gebaut, wurde 1986 auf einem Abstellgleis in Alberton bei Johannesburg gefunden. Weiters 36 Mahagoni getäfelte und vorzüglich ausgestattete Suiten für 72 Mitreisende: Royal Suite (16m2), Deluxe Suite (11m2) und Pullmann Suite (7m2) - alle ausgestattet mit Klimaanlage, Dusche/Badwanne/WC, Waschbecken, Minibar, Föhn, Bordtelefon, Safe und Twin- oder Doppelbetten, auf deren Matratzen man hervorragend schläft - das ist Mr. Vos sehr wichtig (wegen seiner eigenen Rückenprobleme). Nostalgie wird hier mit Komfort verbunden.

 

Ein Hubschrauber und Bordarzt stehen jederzeit - für Notfälle im Zug - bereit.

Im letzten Waggon, dem Loungecar (32 Sitzplätze) mit großen Panoramafenstern, einer offenen Aussichtsplattform und einer Bar - kann man die vorbeiziehende Landschaft bewundern, die teilweise zum Träumen einlädt; neu ankommende Gäste werden hier vom Zugmanager auf eine etwas derbe Weise auf die Reise eingestimmt.

Das 5-Gänge-Menue wird immer mittels Gong - vor jeder Suite - angekündet und in der 12 m2 Küche von mehrenen Köchen zubereitet; im Kühlraum werden 20 Tonnen Lebensmittel und Getränke wie 3.000 Flaschen Wein, Obst, Fleisch und Fisch gelagert sowie 30.000 Liter Wasser, das täglich verbraucht wird. Frühstück, Lunch und formelles Diner werden im noblen Restaurantwagen der 30er Jahre in viktorianischer Atmosphäre eingenommen. Begleitet werden die Mahlzeiten von hervorragenden südafrikanischen Weinen.

Der hektische für europäische Verhältnis etwas eigen herüberkommende Zugmanager Joe Mathala achtet genau darauf, daß seine Gäste sich für den kolonialen Stil des Zuges angemessen kleiden und abends mit Krawatte und Anzug bzw. "dem Kleinen Schwarzen" – zum Diner erscheinen.

 

Kurz-Reise mit dem Rovos Rail

Falls man zwei Wochen Zeit nicht aufbringen kann, um auf den Schienen im Rovos Rail Südafrika zu durchqueren, findet man immer Möglichkeiten, die Strecke für die gewünschte Reisedauer samt dazugehöriger Route kürzer zu planen - z.B. eine Drei-Tage-Safari-Tour von Durban nach Pretoria – um für ein paar Tage die Annehmlichkeiten des Zuges zu genießen und reisen wie anno dazumal.

Tag 1:

Angekommen in der Railway Station Durban – ganz entspannt, eingenommen von der Atmosphäre und dem Treiben am Bahnhof, werden wir vom reizenden Pride of Africa-Personal herzlich willkommen geheißen. Über den roten Teppich steigen wir - wie seinerzeit die „feine Gesellschaft" – mit einem Glas Champagner in der Hand über Stufen in den Nostalgiezug ein; danach wird man von der Hostess in seine reservierte Suite geführt – die alle Namen statt Nummern haben - ein Traum längst vergangener Zeiten wird wahr.

Nach einem kurzem Einführungsgespräch mit Melissa, geht’s zum Loungecar, wo man die Aussicht im offenen Waggon während der Zugfahrt genießt – natürlich nur mit Aussichts-(Taucher)brille, die in der Suite als Augenschutz bereit liegt, um sich von der anstrengenden Anreise etwas zu erholen. Kurze Zeit später erklingt ein Gong - es ist Lunch Time.

Nach dem hervorragenden Mahl steht der erste Ausflug zur Keramikgalerie von Ardmore am Programm. Das Ardmore Ceramic Art Studio ist ein außergewöhnlicher künstlerischer Betrieb, das sich in den zentralen Drakensbergen befindet; Fee Halsted hat Ardmore vor über 25 Jahren gegründet, um südafrikanischen Frauen einen Raum zur persönlichen Entfaltung und Begabung zu geben.

 

Im Anschluß an die Besichtigung der Keramikgalerie Fahrt zur Nelson Mandela Gedenkstätte.

Tag 2:

Vormittags Besuch des Reservats - Safari im Spion Kop Public Resort Nature Reservat – eine im Kolonialstil restaurierte ehemalige Wildfarm; sie grenzt an ein 11.000 ha großes Naturreservat und Öko Schutzgebiet; vom Gipfel des Spion Kop ca. 1.500m hat man eine grandiose Sicht zu den Drakensbergen; am Gipfelplateau fand die Schlacht zwischen Buren und Engländern statt; hier befinden sich Gräber und Gedenksteine.

Spionkop discovery trail ist Ausgangspunkt, um Gebirge, Schlachtfelder, 270 Vogelarten, blühende Aloen oder die Wildtiere der Region zu erkunden und bestaunen.

 

Das Herz öffnete sich beim Anblick der vielen gestreiften Zebras, über 300 Vogelarten, Gazellen, Gnus, verschiedene Antilopenarten, Büffel oder Giraffen, die ganz gelassen in die Welt blicken, wohl wissend, daß ihre Perspektive eine einzigartige ist und die Breitmaulnashörner - für die man Glück und viel Geduld braucht, um einen Blick auf sie zu erhaschen.

Kurz bevor wir zum Zug mußten, tauchte plötzlich ein Büffel wie aus dem Nichts auf, er marschierte schnurstracks am Jeep vorbei, um sich in einem Schlammloch, das er wohl schon von Weitem erspähte, zu suhlen. Ein großartiges Tiermotiv. Im Jeep herrschte Stille, blickten doch alle ehrfürchtig auf das mächtige Tier, daß jederzeit nach Lust und Laune einen Jeep umwerfen könnte. Aber ihm war der kühle Schlamm wohl wichtiger – als wir oder der Jeep - das nennt man das Glück herausfordern...

 

Zurück im ratternden, schaukelnden und "schnaufenden Eisenroß" fahren wir nach dem ausgiebigen Lunch, weiter nach Elandslaagte, um zur nächsten Safari aufzubrechen. Elandslaagte ist bekannt durch die Schlacht im zweiten Burenkrieg.

 

Ein Kleinbus bringt uns am Nachmittag ins Nabatiti Privat Game Reserve. Privates Wild-Naturreservat mit den Big Five, das sich über eine Fläche von 20.000 ha malariafreien Busch in KwaZaula-Natal erstreckt; biologische Vielfalt inkl. Savannen, Wiesen, Sträucher und hoher Akazienbäume.

Da wir weder Chitas noch Leoparden sahen – nach denen wir schon so lange Ausschau hielten, dafür aber Elefanten, Warzenschweine, Paviane, Zebras, Gnus, Giraffen - war die Freude umso größer als und der Ranger mitteilte, daß Löwen im Anmarsch waren.

Auf sie mußten wir bis zur Dämmerung warten. Plötzlich - ein Platzregen, wir sind völlig durchnäßt wegen des offenen Jeeps - tauchten die zwei edlen "Könige der Tiere" auf, die lässig und unbeirrt vom prasselnden Regen aber mit hocherhobenen Köpfen ganz gemütlich ihren Kameraden "entgegen latschten". Sie stolzierten entlang des Weges und würdigten uns eines kurzen Blickes – als wollten sie sagen, „Nur um uns zu sehen, wartet ihr im strömenden Regen – oh Gott, ihr Menschen“…..ja, wir Menschen, sind schon etwas Sonderbares, aber für uns war dieser Anblick wirklich etwas Besonderes!

 

Denn wann hat man schon das Glück in freier Wildbahn solch majestätische Tiere zu bestaunen und zu fotografieren; für diesen kurzen Glücksmoment vergaßen wir den Regen, daß wir von Kopf bis Fuß waschelnaß waren und uns fröstelte.

Im Schnelltempo rasten wir im Safari-Jeep zurück zum Stolz von Afrika, wo schon der rote Teppich ausgelegt war und ein Glas Champagner für uns bereit stand; aber keiner von uns achtete auf den Willkommensgruß, weil wir naß und durchgefroren waren und schnell eine heiße Dusche benötigten; nach dem wohltuenden Bad ging’s in trockenen Kleidern mit schon knurrenden Magen zum Diner. Nach der exzellenten Mahlzeit und einem ausgezeichnetem südafrikanischen Wein, ließen wir - in der wunderschönen Bar mit Aussicht - den aufregenden Regen-Löwen-Tag Revue passieren und genossen die speziell für uns gemixten Cocktails. Müde und voller Eindrücke über das Erlebte suchten wir schlußendlich unsere edle Suite aus Teak Holz auf, um den Schlaf des Gerechten in der "luxuriösesten Eisenbahnlinie“ zu schlafen.

 

Tag 3:

War stressfrei - vorbei an den vielen Rinderherden, Vorbahnhöfen mit Menschentrauben, verfallenen Gebäuden und unerschlossener Wildnis. Während des Lunch passierte der Zug nicht nur das Naturschutzgebiet Higveld (so bezeichnet man das zwischen 600 und 3.000m hoch gelegenen Hochland, in diesem 13.500 ha großen Areal leben Antilopen, Gnus, Geparde, Antilopen, Hyänen und ca. 200 Vogelarten) sondern auch die Goldminenregion von Gauteng. Der Großraum um Johannesburg und die südafrikanische Stadt Pretoria wurden im neuen Südafrika zur Provinz Gauteng; die Region ist das Bergbauzentrum des Landes.

Ankunft in Capital Park Station – im langsamen Tempo nähern wir uns dem privaten Heimatbahnhof von Rohan Vos; der Zugeigentümer erwartet hier seine Gäste, die er alle persönlich begrüßt; in der luxeriös ausgestatteten Capital Park Station Lounge mit exquisiten Mobilar erinnert alles an eine längst vergangene Epoche. Jetzt heißt es loslassen, um sich an die "Istzeit" zu gewöhnen – wir gönnen uns noch ein Glas Champagner und einen Snack und stellen uns auf den Heimflug ein – in eine ganz andere Welt - nicht vergleichbar mit der im Zug.

 

Die Reise mit Rovos Rail ist eine Reise in die Vergangenheit mit Gegenwartspräsenz; man kann ein paar Tagen sich fallen lassen und wird rund um die Uhr verwöhnt; die Hostess versucht dem ihr „anvertrauten Gast“ jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

Es war schön, ein paar Tage in einem Zeitalter zu verbringen, das wohl nie wiederkehren wird, wo "Lady/Lord" mit dem Charme des Nostalgiezuges zu verschmelzen scheinen – während Südafrikas faszinierende Landschaft am Zugfenster vorbeizieht.

 

Fazit: Eine Fahrt im Rovos Rail ist ein unvergeßliches "Luxus-Nostalgie-Erlebnis", das man sich unbedingt einmal "Gönnen" soll. Wer also eine ausgefallene und exquisite Reise sucht – hier wird er sie finden! in einem Zug, der den Namen "Stolz von Afrika" zurecht trägt.

Am Rande bemerkt: einziges Manko am Rande: leider spricht im Zug keiner von der Crew deutsch. Was wir verwunderlich finden, will man doch auch den österreich/deutschen Raum den Zug schmackhaft machen...

www.rovos.com/german

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fotocredit: ifpa/RR