Peking

Die Stadt stellt sich heute anders dar als noch vor 20 Jahren. Freilich beherrschen noch immer zehntausende Radfahrer das Stadtbild, aber daneben rollt und staut bereits der Autoverkehr genauso wie im Westen. Vieles ist anders und besser geworden, sagen die Leute. Der Tian’anmen Platz mitten in Peking am frühen Morgen: Die Wachen vor dem Tor des Himmlischen Friedens mit dem riesigen Mao-Porträt sind müde und unausgeschlafen. In Kürze ist Wachablöse;

einige Dutzend Chinesen am Rande des riesigen Platzes – ein paar von ihnen noch im traditionellen Mao-Anzug – warten auf dieses Ereignis. Die aufgehende Sonne taucht Tor und Platz in ein rosa Licht.

 

Das moderne China Wir hatten eigentlich einen grellroten Sonnenaufgang erwartet, aber vielleicht ist das milde Licht der östlichen Sonne ein Symbol für die Haltung des modernen China. Ein China, in dessen Hauptstadt man auf der einen Seite Bettler und Straßenmusiker für ein Yuan Stück um die Wette musizieren findet, auf der anderen Seite protzige Luxuslimousinen aller bekannten amerikanischen und deutschen Fabrikate, abgedunkelt mit schwarzen Scheiben, nur der Fahrer bleibt sichtbar. Eine Entwicklung, wie sie nicht nur nach 1989 - nach dem schrecklichen Ereignis am Tian’ anmen Platz, sondern auch noch vor wenigen Jahren unmöglich schien. Aber nicht nur die Neureichen haben sich eine eigene westliche Welt innerhalb des Kommunismus geschaffen, sondern auch für die kleinen Leute hat sich Vieles zum Positiven gewendet. Nach offizieller Lesart liegt das durchschnittliche Einkommen in Peking bei wenigen hundert Dollar.

 

Eine Teppichknüpferin aus der Provinz in einer großen (staatlichen) Teppichknüpferei und –weberei versicherte mir jedoch, daß sie mit dem Geld das Auslangen findet, allerdings bei freiem Quartier und Verköstigung. Selbstverständlich gibt es auch nichtstaatliche Berufsmöglichkeiten, vor allem auf dem Fremdenverkehrs- und Touristensektor, abgesehen von den Joint Ventures mit ihrem Finanzmöglichkeiten internationalen Zuschnitts. In den Kaufhäusern, Boutiquen, Feinkostgeschäften usw. werden Waren angeboten, die sich in nichts von den Städten westlicher Art wie Tokio, Singapur oder Hongkong unterscheiden.

 

Glanz vergangener Tage Als hochrangige Einnahmequellen gelten im heutigen China natürlich auch die Touristenattraktionen, die seit den vergangen Tagen der Kulturrevolution gehegt und gepflegt, den Interessierten ein Abbild des vergangenen Reiches der Mitte bieten sollen. An der Spitze steht hier die Verbotene Stadt, neben der Großen Mauer das wohl eindrucksvollste Bauwerk China, dessen Geschichte vor mehr als 500 Jahren begann, als der Ming Kaiser Zhu Di im Jahr 1420 seinen nach 17-jähriger Bauzeit entstandenen Palastkomplex mitten in der neuen Hauptstadt von China bezog.

Neben der Verbotenen Stadt mit ihrem Goldwasserfluß, der Halle der Höchsten Harmonie usw. ist selbstverständlich auch der Sommerpalast des Kaisers ein absolutes Muß für den Besucher. Der Sommerpalast im heutigen Zustand war ein Geschenk des Qi-anlong Kaisers zum 60. Geburtstag seiner Mutter im Jahre 1751.Das riesige Palastgelände mit einer Fläche von mehr als einem Quadratkilometer, an einem künstlichen See (Kunming Hu), gelegen war auf einem Gelände errichtete worden, das schon im Jahr 1153 in der Jin-Dynastie als Garten des Goldenen Wassers dem Kaiser zur Erbauung diente. Zwischen Festland und der Insel des südlichen Sees (Nanhu Dao) befindet sich die Siebzehn-Bogen-Brücke (Shiqikong Qiao), eine Kopie der Marco Polo Brücke aus dem 18. Jahrhundert. Über das Original waren die Japaner im Jahre 1940 symbolträchtig einmarschiert.

 

Wer Peking einen Besuch abstattet, darf die Große Mauer bei Badailing am Joyong Pass nicht versäumen. Das Erwandern ist allerdings so seine Sache: Oft nur wenige Meter verläuft die Mauerkrone waagrecht, 99 % sind über Stufen zu überwinden, wobei die Stufenhöhe unterschiedlich ist, sie reicht von etwa 10 bis 40 cm. Rund 20 Km von Badaling entfernt liegen im Duiyiu Tal die Ming-Gräber, die erst zu einem geringen Teil von den Archäologen ergraben wurden und nur in zwei Exemplaren den Touristen zur Besichtigung geöffnet wurden. Zurück nach Peking. Am letzter Tag der Reise stand ein besonders Highlight auf dem Programm: eine Aufführung der Peking Oper: „die Geschichte des Karpfens im grünen Teich“, ein köstliches Beispiel fernöstlichen Musikverständnisses.

Deren Klänge begleiteten uns auch noch, als wir längst mit dem Flieger in die rund zwei Flugstunden entfernte Metropole am Huangpu Fluß jetten; aber das wäre schon wieder eine neue spannende Geschichte.