Immaterielle Kulturerben

Die „Macanese Cuisine“ gilt als die erste Fusion-Küche der Welt. Jetzt hat die ehemals portugiesische und heute chinesische Stadt Macau diese Kochkunst auf die Liste der immateriellen Kulturerben gesetzt. In den Restaurants können Besucher ihren Gaumen auf eine Aromenreise rund um den Globus schicken. Denn die Spezialitäten der macanesischen Küche vereinen Zutaten, Gewürze und Zubereitungsarten, die portugiesische Seefahrer aus der ganzen Welt einst mit nach Macau gebracht haben. Dazu stehen heute auch gute und gleichzeitig preiswerte Rotweine auf der Karte.

 

Zum Beginn des 16. Jahrhunderts machten sich die Portugiesen auf den Weg gen Osten. Sie segelten entlang der afrikanischen Westküste, umrundeten das Kap der Guten Hoffnung, streiften Indien und Malaysia und gingen schließlich in Macau an Land. Da damals der Wind und die Segel die einzige Antriebskraft waren, verbrachten die Seeleute längere Zeit in den Hafenstationen ihrer Reise.

So lernten sie die einheimischen Sitten, Bräuche und die Küche kennen. Sie begannen, fremde Zutaten und Zubereitungsarten zu schätzen und nahmen diese mit. Auch entwickelten sich asiatische Gewürze zu einer wichtigen Handelsware zwischen dem Fernen Osten und Europa. Den portugiesischen Händlern füllten sie nicht nur die Kassen, sondern beeinflussten auch ihre Küche. Neben afrikanischen, indischen, malaiischen und südamerikanischen Elementen kam in Macau dann noch ein Schuss chinesisch dazu - es entstand der multi-kulturelle Mix der macanesischen Küche.

 

Zu den beliebtesten Speisen zählen African Chicken – das afrikanische Hühnchen wird noch heute in einer pikanten Gewürzsoße gekocht. In den herzhaften Eintopf Tacho gehören verschiedene chinesische Gemüse- und Fleischsorten. Für Minchi wird Hackfleisch mit Bratkartoffeln, Soja, Zwiebeln und gebratenen Eiern gemischt. Der Eintopf Feijoada hat seine Wurzeln in Brasilien und besteht aus Gemüse, Schweinefleisch und scharfer Wurst.

 

Eine wichtige Zutat ist die Balichao, eine würzige Paste aus Crevetten, die zum Beispiel dem suppenähnlichen Nudelgericht Lacassa oder gebratenem Reis (Arroz frita com Balichao) die typische Geschmacksnote verleiht. Als Nachspeise steht Macaus Version des traditionellen portugiesischen Egg Tarts (Jagra de ovos) oder Kokosnußkuchen hoch im Kurs.

 

Spezialitäten der Macanese Cuisine stehen in portugiesischen Restaurants beispielsweise an der Rua Almirante Sérgio, im Stadtteil Nape und auf Taipa auf der Speisekarte.

Das ehemals portugiesische und heute chinesische Macau hat sich zu einer der Boomtowns Asiens entwickelt. Neue Mega-Casinos und -Hotels mit facettenreicher Architektur, Showprogrammen und Shopping-Arkaden prägen die moderne Seite der Stadt. Gleichzeitig bewahrt sie ihr reiches historisches Erbe, das fernöstliche und europäische Kultur vereint, und in den Gebäuden, der Küche und dem Lebensstil der Menschen lebendig ist. Die Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe.

 

Nach rund 450 Jahren portugiesischer Anwesenheit hat Macau seit Dezember 1999 den Status eines mit weitgehender Autonomie ausgestatteten Sonderverwaltungsgebietes der VR China. Macau liegt an der Südostküste der Volksrepublik China, am Ufer des Perlflusses. Es grenzt an die chinesische Provinz Guangdong und ist 145 Kilometer von dessen Hauptstadt Guangzhou (Kanton) und 70 Kilometer von Hongkong entfernt. Macau besteht aus einer Halbinsel gleichen Namens sowie den Inseln Taipa und Coloane.

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fotocredit: FVbüro Macau