Totes Meer

Bahr Lut

Das Toten Meer (417m unter dem Meeresspiegel; neueste israelische Karten zeigen bereits -418m als Seespiegelhöhe an. So kommt es pikanterweise dazu, dass Hotels die in den 80iger Jahren am Ufer erreicht wurden, jetzt vom selbigen rund 200m entfernt liegen).

Die Küste des Sees bildet den tiefsten frei zugänglichen Punkt der Erdoberfläche. Das Meer ist eines der eindruckvollsten Naturschauspiele der Welt. Vom Jordan gespeist, besitzt es keinen Abfluss, sodass der Salzgehalt bis zu 33% beträgt; wodurch keinerlei Leben mehr möglich ist.

 

Entgegen seinem Namen ist das Tote Meer jedoch biologisch nicht tot; es beherbergt verschiedene Mikroorganismen, also Bakterien, die sich von Zellulose ernähren. Auch Salzwasserkrabben und Pflanzen mit großer Salztoleranz, sog. Halophyten, haben in dem unwirtschaftlichen Naß ihr zuhause. Das Wasser trägt den Körper und hat heilende Wirkung bei allen möglichen Krankheiten (z.B. Schuppenflechte); die Sole fühlt sich nicht richtig nass, sondern eher schmierig an; das Wasser ist so salzig, dass sich überall bizarre auskristallisierte Salzklumpen bilden.

Obwohl Jänner und nicht gerade tropisch warm, ist es Brauch einmal im Toten Meer zu schwimmen oder besser gesagt, zu baden. Vorsicht ist geboten beim „Sich-ins-Wasser-legen“, denn das Salz soll ja nicht unbedingt in die Augen gelangen. Klischee gemäß habe ich natürlich eine Zeitung, in Hebräisch versteht sich mit und schwimme tatsächlich oben. Die Sole fühlt sich nicht richtig naß sondern eher schmierig und ölig an. Das Wasser ist so salzig, dass sich überall bizarre auskristallisierte Salzklumpen bilden.

 

Dort wo sich die Berge der Jüdäischen Wüste bis ans Tote Meer heranschieben, in unmittelbarer Nähe von Qumran oder Khirbel Qumran einer Ruinenstätte wurde 1947 eine der bedeutendsten archäologischen Funde des 20. Jhd. gemacht: der Hirtenjungen Muhammed adh-Dhib, der seine entlaufene Ziege suchte, fand, als er sie mit Steinen aus einer Höhle jagen wollte im Höhlen-Inneren Schriften, die in Tonkrügen aufbewahrt wurden und offenbar unversehrt die Jahrhunderte überstanden hatte. Es waren die berühmten Schriftrollen von Qumran.

Sie beinhalten liturgische Schriften und Inventarlisten, davon den größten Teil der bekannten Biblischen Schriften des Alten Testaments bzw. des Tanach, außerdem bekannte und bislang unbekannte Apokryphen, d.h. außerbiblische Schriften, und solche die man einer sektiererischen Glaubensgemeinschaft zuordnet. Zeitlich stammen die Handschriften aus der Zeit zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr.

 

In den Wirren des Krieges 1948 gelangten diese Rollen in die USA und wurden von dort auf abendteuerliche Weise und mit Hilfe von viel Geld nach Israel zurückgebracht. Ein Teil der Schriftrollen ist heute im Israel-Museum in Jerusalem im Schrein des Buches ausgestellt. Noch aber sind nicht alle Rollen entschlüsselt und veröffentlicht. Verfasst wurden die Texte von der Jüdischen Sekte der Essener, deren Wohnstätten als Ruinen erhalten sind. Sie hatten Verbindung zu Johannes dem Täufer und möglicherweise zu Jesus Christus….und vielleicht muss nach der gesamten Auswertung des historisch bristanten Materials ein Teil der christlichen Geschichte neu geschrieben werden!

Zeuge des Jüdischen Gründergeistes ist die Oase Ein Gedi (Ziegenquelle, die von einer Höhe von 200 Meter über dem Toten Meer herabfällt) am Westufer des Toten Meeres. Hier am Rande der Judäischen Wüste am tiefsten Punkt der Erde und inmitten eines botanischen Gartens entstand in den 60iger Jahren ein Kibbutz, eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, in der geregelte Besitz- und Einflussverhältnisse herrschten. Mehrere Wasserquellen ermöglichen üppiges Grün in der sonst so kargen Wüstenlandschaft. Das trocken gesunde Wüstenklima weist die sauerstoffreichste Luft der Erde auf. 10% mehr also auf der Meeresspiegelhöhe. Die ultravioletten Sonnenstrahlung (UV) wird durch den höhen Luftdruck und die höhe Verdunstung abgehalten, die Sonnenbrandgefahrt dh. stark reduziert. In der Auflistung der Vereinten Nationen stuft man die Oase Ein Gedi als eines der bedeutendsten Naturreservate der Welt ein.

 

Inmitten der unwirtschaftlichen Umgebung ragt der Felsen von Masada 450m über dem Toten Meer empor. Man kann den Nationalpark Masada (seit 2001 in die UNESCO-Liste der Weltkultur und Naturerbe der Menschheit aufgenommen) entweder über den Schlangenpfad (per pedes) oder via Drahtseilbahn „erobern“. Zum Park gehören das Bergplateau und seine Altertümer sowie die Eingangsbereiche im Osten und Westen.

Auf der Festung angekommen trifft man auf Überreste einer ausgedehnten Festungsanlage, die auf die Zeit des jüdäischen König Herodes zurückgeht. Vor allem die natürliche Lage des Berges machten den Ort in der Zeit des zweiten Tempels zu einer vorzüglichen Befestigungsanlage.

Nach der Niederschlagung des jüdischen Aufstandes gegen die Römer und dem Fall Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. hatten sich etwa 1000 Juden hierher zurückgezogen, um Schutz zu suchen. Doch die Römer belagerten drei Jahre lang den Berg und errichteten schliesslich an der niedrigeren Westseite eine gewaltige Rampe. Als sie die Festung erstürmten, bot sich Ihnen ein blutiges Bild des Grauens: Die Zeloten hatten den gemeinsamen Freitod durch das Schwert der römischen Sklaverei vorgezogen. Nur zwei Frauen und fünf Kinder überlebten. Die tragischen Ereignisse der letzten Tage der jüdischen Freiheitskämpfer lassen die Festung zu einem Symbol jüdischer Kulturidentität und in universaler Weise zum Symbol für den steten Kampf von Menschen gegen Unterdrückung und für Freiheit werden. Noch heute geloben Isreals Soldaten „MASADA nie wieder!“

Masada ist übrigens weit entfernt von jeder menschlichen Siedlung.

Damit nicht genug – im Süden, wo das Tote Meer immer flacher wird, bestimmen Salzformationen das Bild der Landschaft. Diese Gegend wird auch noch mit Sodom und Gomorrha in Verbindung gebracht und ist Inbegriff der biblischen Katastrophe. Die Städte sind Gegenstände einer Erzählung im Alten Testament, derzufolge sie durch Gott unter einem Regen aus Feuer und Schwefel begraben wurden, weil sie der Sünde verfallen waren - nicht nur das Meer ist tot!

 

Neueren Erkenntnissen zufolge glaubt der Geologe Graham Haris nicht an den Zorn Gottes, sondern dass ein Erdbeben die Apokalypse hervorrief. Das Tal um das Tote Meer zwischen Israel und Jordanien ist ein seismologisch aktives Gebiet. Geologen entdeckten an der Küste nicht nur die Spuren von Erdbeben 2350 Jahre v. Chr. sondern auch grosse unterirdische Methangas-Vorkommen.

 

Bisher konnte niemand herausfinden, wo sich die verschwundenen Städte Sodum und Gomorrha befinden. Die Wissenschaftler glauben jedoch, dass sich diese Städte gegenüber den Felsen in der Siddimebene befinden.