Gaumenfreuden Asiens vereint auf einer Insel

Wußten Sie, dass es heißt, in Taiwan gebe es alle drei Schritte einen Imbiss und alle fünf ein Restaurant? Oder, dass die üblichste Begrüßungsformel „Haben Sie schon gegessen?“ lautet? Das Thema Essen ist in Taiwan einfach allgegenwärtig, was die Insel zum perfekten Ort macht, um einen Streifzug durch die vielfältige Küche Asiens zu unternehmen.

 

Es ist eigentlich kein Wunder, dass die angesehene amerikanische Foodie-Website TheDailyMeal.com ein Restaurant in Taiwan erst neulich zum besten Restaurant Asiens gewählt hat, nämlich das Din Tai Fung in Taipeh, das auf die mit Fleisch gefüllten Teigtaschen spezialisiert ist. Die renommierte New York Times empfahl dieses kleine Restaurant, das 1972 gegründet wurde, bereits vor zwanzig Jahren, und inzwischen besitzt es Filialen in vielen weiteren asiatischen Ländern, sogar in den USA.

 

Trotz der enormen Weite des größten Kontinents der Erde schafften es sechs weitere Restaurants der kleinen Insel, die gerade mal so groß ist wie Baden-Württemberg, unter die 101 besten: Tu Hsiao Yueh (taiwanische Küche), Nonzero (Ost/West-Fusionsküche), die Osteria by Angie (italienisch), das Seventy-Two Beef Noodles (taiwanisch), La Cocotte (französisch) und Hiroshima (japanisch). Allein das breitgefächerte Angebot dieser Restaurants zeigt, dass Taiwan im Laufe der Zeit zu einem Schmelztiegel wurde, in dem sich allerlei kulinarische Einflüsse sammelten – denn so, wie kulturell unterschiedlichste Traditionen vom asiatischen Festland auf Taiwan zu einem harmonischen Miteinander aufeinander getroffen sind, so geben sich auch die verschiedenen Regionalküchen des Kontinents auf Taiwan ein beispielloses Stelldichein.

Kantonesische und mongolische Küche sind hier ebenso anzutreffen wie die Regionalküchen von Beijing, Sichuan, Shanghai und Hunan. Je nachdem zeichnen sie sich durch pikante und scharfe Gewürze oder eine süßsaure Note aus, und je nach Region werden die Gerichte in unterschiedlichen Varianten serviert.

Taiwanische Köche verwenden mit Vorliebe heimische Erzeugnisse. Im heißen Süden findet man typische Tropenfrüchte, in den Senken von Taitung sprießt edler Reis und in den Gebirgslagen gedeiht feinster Tee. Zu den absoluten kulinarischen Klassikern zählen Rindfleischnudelsuppe, gebratener Fisch mit Erdnüssen und gekochter Tintenfisch. Dank Taiwans verschiedener Klima- und Vegetationszonen kann fast jede Region auf Taiwan eigene Spezialitäten vorweisen. In Hsinchu sind es beispielsweise die leckeren Persimonenkuchen, in Changhua die Fleischbällchen und in Nantou die Bambussprossen. In den küstennahen Gebieten stehen freilich frische Fänge aus dem Meer auf dem Speiseplan, zum Beispiel Makrelen in Yilan, Fächerfische in Taitung oder Kalmare in der Stadt Keelung. Auch auf bestimmte Getränke haben sich die Regionen spezialisiert: Der Landkreis Chiayi ist für seinen Tee berühmt, der Kreis Yunlin für seinen Kaffee und die Stadt Tainan für ihr Bier.

 

Die Speisen werden häufig als kleine Snacks auf Nachtmärkten, wie etwa dem Shilin-Markt in Taipeh, feilgeboten. Nachtmärkte sind taghell mit bunten Neonlichtern beleuchtet und an den unzähligen Garküchen steigen exotische Düfte fernöstlicher Köstlichkeiten auf: Fisch und Fleisch, Gemüse und Kräuter – süß, sauer oder scharf – gebacken, gedünstet oder frittiert. Das eigentlich Besondere an diesen Märkten ist, dass man hier nicht nur einkaufen, sondern sich die Speisen, die man sich zusammensucht, auch gleich vor seinen Augen frisch zubereiten lassen kann. Typisch taiwanische “Snacks” sind – um nur einige Beispiele zu nennen – das Austernomelett, der Schalottenpfannkuchen oder ein gefülltes Sandwich mit dem merkwürdigen Namen „Sargbrot” – und nicht zu vergessen die beliebten zongzi: Klebreisknödel mit unterschiedlichen Füllungen, gewickelt in Bambusblätter.

 

 

fotocredit: Shilin Night Market .com