Das drittreichste Land der EU

Die Republik Irland hat heute ca. 4 Millionen Einwohner, wovon die Hälfte unter 30 Jahre alt ist, ein junges aufstrebendes Land. Es ist eines der EU-Länder, das sich von einem armen Land zum drittreichsten Land der EU entwickelt hat.

 

Noch in den Jahren 1845 bis 1849 mußten zwei Millionen auswandern, um dem Hungertod zu entgehen, nachdem vier Jahre lang die Kartoffelernte durch die Kartoffelkäferinversion ausgefallen war.

Ein geschichtsträchtiges Land, in dem steinerne Zeugen aus der Urzeit, älter als Stonehenge, existieren, von dem die Christianisierung Europas durch den Hl. Patrick ausgegangen war, das durch normanische Krieger erobert worden, jahrhunderte lang durch englische Großgrundbesitzer verwaltet worden war und erst in den letzten zwei Jahrzehnten einen außergewöhnlichen wirtschaftlichen Aufschwung genommen hat.

 

Der Golfstrom ist verantwortlich für das relativ milde Klima, kaum Frost oder Schnee im Winter und ausgeglichen angenehme Sommertemperaturen. Die „grüne Insel“ verdankt dem reichlichen Regen das Grün der weiten Weideflächen, nur gesprenkelt durch gefleckte Rinder, unzählige Schafherden und herumtollende Pferde, sowie auch die üppig herrlichen Gärten, einige davon waren unser Reiseziel. Nicht nur die gepflegten Anlagen rund um die Herrenhäuser und die Schlösser sondern auch jeder kleinste Vorgarten prunkt mit reichlicher Blütenflora. Eine Landschaft wie im Bilderbuch: winzige bunt gestrichene Häuschen sauber und heimelig, schmale Straßen über Land winden sich durch Hecken und Alleen und graue alte Gemäuern umrunden alte Kirchen und Befestigungen der kleinen Ortschaften.

Wir besuchen den Südwesten - ein Teil der Grafschaft Cork. Cobh, der zeitgrößte Hafen des Landes, erlangte traurige Berühmtheit als Abfahrtshafen von Häftlingen nach Australien als Auswanderhafen in den Hungerjahren und als letzter Stopp der Titanic, heute ein lebhafter Industriehafen. Im Clarion Hotel, einem großzügig angelegten modernen Komplex genossen wir ein ausgezeichnetes Dinner nach einem kargen Diät Flugtag. Mein erstes Stout (tiefschwarzes, obergäriges Schankbier) habe ich in einem kleinen, dunklen typischen Pub verkostet. Es hat mir geschmeckt.

 

Der erster Besuch galt dem Blarney Castle, berühmt durch seinen schwer zugänglichen „Stein der Beredsamkeit“ eingemauert am oberen Wehrgang des Towers. Der Legende nach wurde das Wort Blaney (für elegantes, aber nichtssagendes Reden) durch Königin Elisabeth I. in die englischer Sprache eingeführt, weil der damalige Schloßbesitzer und beredsame Diplomat viel sprach, ohne etwas zu sagen. Vor 600 Jahren war Blarney Castle durch einen der größten irischen chieflains, Cormac Mac Cartly erbaut worden und hat eine ereignisreiche Geschichte von Good Queen Bess bis Oliver Cromwell erlebt: Blarney House ist eines der elegantesten Herrenhäuser Irlands, war aber leider nicht zu besichtigen. In dem großzügig angelegten Park mit uralten Blumen, mannshohen Farnen, Seerosenteich, meterhohem Erika, lila Fingerhut, mystischen Felsen und duftenden englischen Rosen an der grauen Mauer, hat der hektische Mensch das Gefühl, daß die Zeit stehen bleibt.

 

 

Im Fota Arboretum mit seinen prachtvollen exotischen Bäumen, den neuseeländischen Palmen, den blütenüberwucherten Kormussträuchern wie der zwei Meter hohe Riesenschneeballbaum, den herrlich duftenden Rosensträuchern im "walled garden" (den ummauerten Gartenanlagen) und den urzeitlichen Farnbäumen hat uns der Regen eingeholt. Genau so tropfend wie die Natur ringsum gings zum nächsten Landhaus.

 

                                  

Der Lunch im Ballymalo House, einem Landhaus mit herrlich dekorierter Innenausstattung und einem typischen Wintergarten voll blühender Blumen und Sträucher, mit fangfrischen Muscheln vom nahen Meer, lamb bzw. beef von den Weiden ringsum, zubereitet von einem Haubenkoch - hat uns entschädigt. Nur schade, daß die Zeit zu kurz ist, um alle Annehmlichkeiten zu genießen.

Noch immer braselt der Regen nieder und daher brauchen wir eine Stärkung in der Jameson Whisky Brewery in Midleton, berühmt durch den größten kupfernen Destillierkessel, wo uns die Erzeugung des Uisce Beatha, dem „Wasser des Lebens“ erklärt wurde. Zum Unterschied vom schottischen Whisky wird die Gerste nicht über Torffeuer sondern in geschlossenen Kilns (Brennöfen) getrocknet, daher gibt es keinen rauchiger Geschmack. In den fünf Etagen des Speichers wurden bis zu 250 Tonnen Getreide gespeichert; die ohne Aufzug über 100kg schweren Säcke wurden am Rücken transportiert.

 

Das Wasserrad aus dem Jahre 1852, Hauptantriebswerk der Destillerie hat einen Druchmesser von 22 Fuß (6,7m) und ist heute noch funktionsfähig. Die riesigen Zahnräder drehen fünf Mühlsteine, die Malz und Gerste zu Schrott vermahlen. Danach wird es eingeweicht und zum Keimen gebracht.

 

Zum richtigen Zeitpunkt wird dieser Vorgang abgebrochen, die Maische mit kochendem Wasser versetzt und mehrere Stunden mittels großer Rechen gerührt; danach wird Hefe zugesetzt und der Destillierung zugeführt. Dieser Vorgang wird dreimal wiederholt, während der schottische Whisky nur einmal oder zweimal destilliert wird.

 

Der daraus entstanden farblose konzentrierte Alkohol wird mit Wasser versetzt und in Eichenfässer gefüllt, wo durch mehre Jahre Lagerung die goldene Farbe und der milde Geschmack entstehen. Die anschließende Verkostung hat uns von der Qualität (und demzufolge hoher Preis) überzeugt.

Im Longueville House Hotel wurden wir bereits erwartet. Das im gregorianischen Stil erbaute Schloß, das das Blackwater Tal überblickt, begeistert durch seine gemütliche Inneneinrichtung und Kaminfeuer. Als einziges Landgut hat es an der geschützten Ostseite einen Weingarten, wo Wein gekeltert wird. Ein ausgezeichnetes Abendessen beendete diesen Tag. Am Morgen verabschiedete uns die Haus-Dame auf den Stufen des mit Säulen geschmückten Portals.

 

 

Der nächste Besuch galt den Annes Grove Gardens, einem 10 ha großen Park, der hauptsächlich im 20. Jhd. angelegt wurde. Durch den ausgedehnten Wald von exotischen Blumen und Sträuchern führen enge Wege zum Bachbett mit riesigen Elefantenohren und Stinkkohl. Leider war die Vollblüte des Rhododendron vorbei, nur an schattigen Stellen konnten wir noch die verschienenden Farben der immens großen Sträucher sowie die riesig exotischen Bäume, alles besten erklärt vom botanikkundigen Mansionhouse-Besitzer, bewundern.

 

 

Weiter gehts zu Ballyvolane House Gardens, hier werden die Gäste vom Hausherrn mit einem Cocktail begrüßt und durch die Gartenanlagen geführt. Eine Wochen vorher war der Waldboden blau von Blüten, nun sind nur noch die Samenstände zu sehen. Auch die Rhododendronbüsche sind abgeblüht. Aber im „walled garden“ konnten wir spezielle Gemüsesorten und Blumen bewundern.

 

Das Haus verströmt einen einzigartigen Charme und es läßt sich hier gemütlich verweilen. Hauptsächlich ist es für sein gute Essen aber auch für Lachsangler am Blackwaterriver bekannt.

 

 

Unseren Lunch nahmen wir in der Glasworth Mühle zu Füssen der Festungsruine Fermoy, direkt am Fluß Funsheon, einem Nebenfluß des Blackwaterriver, den hier eine antike mehrbögige Brücke überspannt. Wie in so vielen irischen Burgen gibt es auch hier eine blutige Geschichte. Als die Normanen im späten 12. Jhd. diesen Teil des Königreichs Munster eroberten, wurde das Gebiet den zwei Brüdern Condon überantwortet. In einer Urkunde aus dem Jahre 1299 wird Burg und Dorf Glanworth erwähnt. Die Festburg beherrschte Furt und Brücke. Im späten 13. Jhd. erwarb David Roche auf Grund seiner Heirat mit einer Condon Erbin das Gebiet und die Familie Roche - Grafen v. Fermoy - hat hier bis zur Enteignung und Beschlagnahmung durch Cromwell Mitte des 17. Jhd. geherrscht.

 

 

Der nächste Höhepunkt war Bantry House and Gardens mit herrlichem Ausblick auf die Bantry Bay. Sieben Terrassen vor dem italienisch anmutenden Schloß mit Buxhecken, Rundbeeten und Steinfiguren geben den Blick auf das ruhig schimmernde Meer und die Inseln im Hintergrund frei, während der Blauregen und die Neuseelandpalmen einer Parklandschaft gleichen. Im Haus Tapissere aus dem Besitz Maria Antoinette, riesige Schalen aus Alabaster, Gemälde, Teppiche, kunsthandwerklich gefertige Unikate, Himmelbetten in den Schlafräumen.

 

Früher haben Schloßbesitzer bis zu 20 Gärtner beschäftigt, heute muß mit den geringen Einnahmen aus den Einrittsgeldern Haus und Garten erhalten werden. Im Seaview Hotel ebenfalls in der Bantry Bay gelegen, haben wir in idyllischer Atmosphäre dinniert und übernachtet.