Auf Themenrouten zu exotischen Gerichten und durch Weinberge

 

Eine neue kulinarische Themenroute durch die südostpolnische Woiwodschaft Podkarpackie (Vorkarpaten) will Besuchern die ungeheure Vielfalt der traditionellen Karpatenküche nahebringen. Die Route „Podkarpackie Smaki“ (Geschmack des Karpatenvorlandes) umfasst 40 zertifizierte Stationen. In der Region im Grenzgebiet zur Slowakei und der Ukraine mischten sich traditionelle Speisen der Lemken und Bojken mit polnischen, armenischen, deutschen, jüdischen und ukrainischen Einflüssen. Weinanbau spieAlte in Podkarpackie schon vor einigen Jahrhunderten eine wichtige Rolle. Heute entwickelt sich die Region wieder zu einem Zentrum der polnischen Winzer.

Fuczki auch für polnische Ohren klingen die Namen der traditionellen Speisen der Bojken und Lemken ungewohnt bis exotisch. Die ethnischen Minderheiten siedeln seit Jahrhunderten im Karpatenbogen und pflegen bis heute ihre ostslawische Sprache und Kultur. Fuczki ist die Bezeichnung für Sauerkrautpuffer, die wahlweise pur oder als Beigabe zu Fleischspeisen serviert werden. Das Kiseco ist ein Faschiertes mit Minze, das mit saurer Milch gegessen wird und bei den Bacabuchy handelt es sich um mit Buchweizengrütze, Pilzen oder Kohl gefüllte Kartoffelkuchen.

Diese und andere Spezialitäten können Touristen seit kurzem auf der neuen kulinarischen Route „Podkarpackie Smaki“ erleben. Ferienbauernhöfe und Pensionen mit kleinen Schenken, in denen die Gastgeber noch selbst am Herd stehen, sind auf der Route ebenso vertreten, wie Restaurants in Städten, auf alten Gutshöfen und Schlössern. Der altpolnischen Adels- und Jagdküche verschrieben haben sich beispielsweise der nahe des Flughafens Rzeszów gelegene klassizistische Adelshof „Dwór Ostoya“ oder das unweit von Przemy?l gelegene Schlosshotel Zamek Dubiecko, Geburtsort des Aufklärers und ermländischen Fürstbischofs Ignacy Krasicki.

 

Von der Slow-Food-Idee inspirierte Autorenküche gibt es im Restaurant Magnolia des Dwór Kombornia Hotel&Spa. Moderne europäische Konzepte treffen dort auf traditionelle polnische Rezepte und regionale Spezialitäten. So kann man Lachs mit Limonen-Kürbiscreme an Rettichflakes und gegrillter Polenta ebenso genießen wie Rote-Beete-Creme mit Wachteleiern als Entrée zu altpolnischer Ente mit Klößen und Rotkohl. Vergessene Zutaten und Speisen mit neuem Leben versehen will Arkadiusz Wejer, Küchenchef im Restaurant Wesele des Fünf-Sterne-Hotels Bristol in Rzeszów. Das Wesele wurde im vergangenen Jahr in den Kreis der 100 besten polnischen Restaurants aufgenommen.

Wer die regionale Küche individuell und hautnah kennenlernen möchte, sollte seinen Urlaub auf einem Ferienbauernhof verbringen. Die „Zagroda Magija“ im unweit von Ustrzyki Dolne gelegenen Ort Orelec bietet neben Unterkunft in urigen Holzhäusern auch Workshops in aussterbenden Handwerken, zahlreiche Aktivangebote und gesunde polnische Küche mit Karpateneinfluss. Die Besitzer organisieren für ihre Gäste zudem Kochkurse mit regionalen Rezepten. Die „Wilcza Jama“ (Wolfshöhle) in Muczne bietet zünftige Unterkünfte sowie ein Programm rund um die Natur der Bieszczady. Die Küche ist vor allem auf Wild spezialisiert, das der Chef auch schon einmal selbst erlegt. Beide Objekte befinden sich auf dem Gebiet des Bieszczady-Nationalparks.

 

Das Projekt „Podkarpackie Smaki“ wurde in mehrjähriger Zusammenarbeit vom Verein Pro Carpathia für regionale Entwicklung, dem Marschallamt der Woiwodschaft und der regionalen Tourismusorganisation realisiert. Zu der Themenroute gehören nicht nur Restaurants, Schenken und Agrotourismushöfe, sondern auch regionale Erzeuger sowie Museen, die sich der kulinarischen Tradition des Karpatenvorlandes widmen, wie das Brennereimuseum in ?a?cut (Landshut) oder das Mühlenmuseum in Ustrzyki Dolne. Touristische Übersichtskarten der Route sind in den Touristeninformationszentren der Region erhältlich.

 

Zwar ist die Woiwodschaft Podkarpackie bei ausländischen Touristen eher noch ein Geheimtipp. Mit 162 amtlichen Eintragungen führt sie aber die Liste der polnischen Regionen mit den meisten kulinarischen Traditionsprodukten an. Weitgehend unbekannt ist, dass Podkarpackie auf eine lange Tradition im Weinbau zurückblicken kann. Bereits vor gut 1.000 Jahren wurden an den Hängen der Karpaten Weinreben gepflanzt. Wegen der erstarkenden Konkurrenz aus dem benachbarten Ungarn kam der Weinbau aber im 17. Jahrhundert größtenteils zum Erliegen. In den späten 1990er Jahren begann schließlich die Renaissance der polnischen Weinproduktion.

 

Mittlerweile zählt die Region Podkarpackie mit über 150 Produzenten zu den wichtigsten Weingebieten Polens. Viele der eher kleinen polnischen Weingüter setzen auf Önotourismus. Im Karpatenvorland laden rund 70 Anbieter zum Ferienaufenthalt mit Weinlese, Verkostung und Wohlfühlprogramm ein. Mit dem „Podkarpacki Szlak Winnic“ gibt es auch einen Themenpfad, der zu insgesamt 30 Weingütern mit entsprechend zertifiziertem Angebot führt. Der Winzerverein „Vinum pro cultura“ in Jas?o organisiert regelmäßig Veranstaltungen rund um den edlen Tropfen. Jedes Jahr am letzten August-Wochenende veranstaltet die Kleinstadt auf ihrem historischen Marktplatz die Internationalen Weintage.

 www.podkarpackie.travel