Ein touristisch noch nicht ganz „entdecktes Land“

Die Slowakei war mit all ihren Facetten – sowohl bezogen auf Land und Leute wie auch auf ihre Kultur – ein geschichtsträchtiges und gern besuchtes Land, bis es hinter dem Eisernen Vorhang verschwand und für Reisende aus Europa nur unter verschärften Bedingungen besuchbar war

Das hat sich gründlich geändert – die Grenzen sind seit Jahren offen und die slowakische Zentrale für Tourismus eine rührige Organisation, die dieses Land längst zur „Pflichtübung“ für europäisch Interessierte stilisiert hat. So ging eine organisierte Reise von Wien über Bratislava (Pressburg) aus in die Zentralslowakei.

 

Das Ziel war das „Goldene Dreieck“ (gebildet aus Banska Bystrica, Kremnica und Banska Stiavnica) verbunden mit einer Entdeckungsreise, die uns nicht nur den Gold- und Silberbergbau bis hin zu Maria Theresias Zeiten sondern auch „noch wenig touristisch Bekanntes“ in der Slowakei“ zeigen sollte.

 

Es begann damit, dass in der ersten Hälfte des 9. Jhd. und unter Einfluss der Karolinger ein neues und europäisches Königreich entstand: Großmähren (Velká Morava). Die zweite Christianisierungswelle, die im 9. Jhd. auch Böhmen, Mähren, Teile der heutigen Slowakei, Polen, große Teile Ungarns und Österreich erreichte, drückte dem Land ihren Stempel auf. Unter Cyrill und Methodius - zwei später heilig gesprochene byzantinische Gelehrte – kam es zur Ausbildung der slawischen Sprache und das Schrifttum erlangte nach und nach große Bedeutung. Bis 894 war Großmähren einflussreich in Europa. Aber das Königtum war nicht gewillt, Kirche und Staat unter einem Hut zu belassen. Es kam zu Konflikten mit Rom, was Papst Johannes VIII. 880 durch Sanktionierung des von dem Herrscher Svetopluk gegründeten Erzbistums für Großmähren beantwortete. Die Folge war der politische Untergang des Reiches. Was blieb, war die Gier von Eroberern und dadurch bedingt die schicksalshafte Auslandskontrolle über das ursprünglich große, fruchtbare und erzreiche Land.

 

Eingezwängt zwischen dem Kremnitzer Gebirge, den Gebirgszügen Starohorske vrchy und Polana liegt im Tal des Hrons die alte Bergbaustadt Banska Bystrica („kupfernes Neusohl“). Sie liegt im Zentrum des Hauerlandes und ist der Ausgangspunkt für die Entdeckungsreise durch die Slowakei: BB wurde im 13. Jahrhundert zum damaligen europäischen Zentrum der Kupferverarbeitung. Es waren aber deutsche Einwanderer, die den Bergbau auch zum Zwecke des Abbaues von Gold und Silber erschlossen. Im Spätmittelalter – Ende des 15. Jahrhunderts taucht erstmals der Name Fugger in Ungarn auf. Die Firma Thurzo & Fugger dirigiert von der heutigen Zentralslowakei aus ein Netzwerk von kapitalistischen Unternehmen und spielt im gesamten europäischen Bergbau eine führende Rolle.

 

Spaziert man durch Neusohl fällt auf, daß die Fassade der Patrizierhäuser jener Zeit bis heute ihren historischen und künstlerischen Wert erhalten hat. Es hilft, sich gedanklich in eine Zeit zurückzuversetzen, wo der Maria Theresientaler Bedeutung erlangte. Die Metropole war im Mittelalter Zentrum der Silber- und Kupferförderung und bekam daher den Beinamen – „Kupferne Stadt“. Seit 1255 war sie eine königliche Stadt mit umfangreichen Privilegien, wie dem Recht, Metalle abzubauen. Im August 1944 war die Stadt Hauptzentrum des Slowakischen Nationalaufstandes mit dem ein Zurückdrängen der deutschsprachigen Bevölkerung einherging. BB die dritte und größte Stadt der Zentralslowakei hat viel Sehenswertes wie u.a. einen schiefen Turm – den städtische Uhrturm (er weicht um 60cm von der Senkrechten ab) die Stadtburg, der in Renaissancestiel erbaute Glockenturm oder die Kirche desHl. Franz Xaver (ein wertvolles Duplikat der Kirche in Rom). In näherer Umgebung von BB - in Hronsek - befindet sich die sehenswerte und hölzerne Artikularkirche, für deren Bau kein einziger Nagel verwendet wurde.

 

Das „Goldene“ Kremnitz (Kremnica), eine weitere historische Bergbau-Stadt des Golden Dreiecks, leitet ihren bis heute sichtbaren Reichtum an historisch bemerkenswerten Kunst- und Kulturschätzen ebenfalls auf den Gold- und Silberbergbau zurück. Auch hier war es ein Karolingerspross fränkischer Abstammung - der Ungarnkönig Charles Robert von Anjou - dem die Stadt Bevorzugung verdankt. Er machte seine dortige Residenz zur königlichen Bergbau- undMünzkammer.

 

Dem Verfall preisgegeben, verdankt diese Stadt ihr heutiges mittelalterliches Aussehen der nach dem Fall des eisernen Vorhanges vorgenommenen Restaurierung des Gebäudekomplexes der aus dem Hochmittelalter stammenden gotische St. Katharina Kirche. Im einstigen Königschloss finden jetzt Sommer für Sommer international geprägte Orgelkonzerte statt. Das Münz- undMedaillenmuseum - von der slowakischen Nationalbank neu adapiert- bietet interessante Einblicke in die Geschichte der Prägekunst: (Der Mariatheresientaler in Kremnitz geprägt, hat als eine der ganz wenigen Münzen auch heute noch mehr als bloß historisch-nostalgischen Wert);

 

Übrigens: die Stadt hat die älteste Münzstätte der Welt, sie ist seit 1328 in Betrieb. Mit der barocken Dreifaltigkeitssäule, dem Aussichtsturm, demgotischen Rathaus und Bürgerhäuser sowie derFranziskanerkirche mitKloster endet unser Rundgang durch die „goldene“ Stadt.

 

Die letzte der Dreiecksstädte ist Banska Stiavnica (Schemnitz). Unglaubliche 490 Tonnen Silber und 11 Tonnen Gold wurden im Zeitraum von 1790 bis 1863 gefördert. Damit avancierte die Stadt zum größten Zentrum des Abbaus edler Metalle in der gesamten Habsburger Monarchie; sie erhielt den Beinamen „Silberne Stadt“. Bereits 1993 wurde diese als eine der ersten in das Weltkulturerbe der UNESCO eingetragen. Der Stadtplatz der Dreifaltigkeit entstand Anfang des 16. Jhd. und bildet heute mit der imposanten barocken Pestsäule (entworfen vom italienischen Bildhauer Stanetti) den Kern der Stadt. Neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie u.a. spätgotischen Kirchen, schöne Stadthäuser z.T. mit Sgraffito-Verzierungen, Rathaus mit Uhrturm, Katharinenkloster, Kalvarienberg (Kalvaria) und Klopfturm (Bergleute wurden durch Klopfen von hier aus zur Arbeit gerufen) lockt vor allem eines nach Schemnitz: der Erbstollen Glanzenberg. Bereits 1627 wurde in den dortigen Gruben zum ersten Mal auf der Welt Schießpulver zur Sprengung benutzt. Die Mündung des Stollens Glanzenberg befindet sich im historischen Zentrum der Stadt.

Der heute noch zugängliche Teil endet bei den „kaiserlichen Treppen“, da ihn einst auch Franz Stefan von Lothringen (Gatte von Maria Theresia) besuchte (eine Gedenktafel zeugt davon). Vor einigen Jahren wiederholte sich die Geschichte und wieder besuchte ein Monarch, Fürst Albert von Monaco den Stollen. 1762 wurde hier die erste Bauakademie Europas gegründet.

 

Aber nicht nur Bergbau und Münzen prägen die Slowakei sondern auch Burgen, Museen und dieThermal-Heilbäder; aber auch Sportbegeisterte, wie beispielsweise Golfer können hier ihrem Hobby frönen.

 

Unsere Erkundungsreise führt uns weiter zu einigen touristischen Highlights wie z.B.

Der18 Loch-Golf-PlatzGrey Bear“ inTale: bekannt für seine elegante Einfügung in das Relief eines Tales im Gebirge Niedere Tatra - ein beliebtes Fremdenverkehrzentrum im Umfeld von Bystrianska Dolina.

 

Die Thermal-Heilbäder: wie Dudince und Piestany

Dudince: warme Quellen wurden schon zu Zeiten des römischen Imperium benutzt; ist der jüngster Kurort der Slowakei; das Thermalwasser ist ein schwefelwasserstoffhaltiger Säuerling; hilfreich u.a. bei chronischen Gelenks- und Muskelerkrankungen, Herz-Kreislaufstörungen oder psychosomatische Beschwerden.

 

Kurstadt Piestany:Bad Pistyan– das bedeutendste slowakische Heilbad zur Behandlung des Bewegungsapparates. Mineralhaltige Thermalquellen, heilkräftiger schwefelhältiger Schlamm; für Krankheiten wie etwa Rheuma, Osteoporose, Arthritis

 

Das Skizentrum Donovaly nicht weit entfernt von Banska Bystrica, 12 km Pisten zwischen 900 und 1360m Höhe.

Die Burg Orava: eine der sehenswertesten Burgen; die hier befindliche Ahnengalerie führt zurück ins Alt-Österreich. Die Esterhazys, die Palffys sie haben einst diesen Prachtbau besessen. Die im romantischen Stil erbaute Wachfeste wurde 1267 erstmals urkundlich erwähnt und gilt als Wahrzeichen der Region. Über 34000 Gegenstände werden im Museum der Burg in naturwissenschaftlichen, archäologischen, ethnographischen und historischen Expositionen ausgestellt.

 

Das Jagdmuseum St. Anton, einst Jagdschloß der Familie Sachen-Coburg, repräsentativ für das bis heute wichtige Jagdgeschehen in diesem Land und eine Pflichtübung für jeden am Waidwerk Interessierten und last but not least dasUNESCO-Weltkulturerbe am Rande der Tatra: das romantische Bergdorf Vlkolinec; es hat 35 Einwohner und wurde wegen der außergewöhnlich, unberührten Siedlung mit 40 original bewohnten Holzhäusern 1993 in die Liste desWeltkulturerbe aufgenommen. 1977 wurde der Ort unter Denkmalschutz gestellt. Die Häuser sind aus Holz und mit Mustern und Bilder bemalt. In der Umgebung gibt es noch, fast unglaublich, Bären und Wölfe.

Weiter geht die Fahrt - in die Gegend zwischen Niederer und Hoher Tatra sowie der Hohen und Niederen Fatra - in die Bezirksstadt Zilina (Silein) im slowakischen Norden. Hier kann man u.a. eine gotische Kirche der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, die sog. Pfarrkirche, ein quadratischer von Arkaden gesäumter Stadtplatz, eine der ältesten Türme der Slowakei, der Burian-Turm, die barocke Kirche St. Paul und die Franziskanerkirche bestaunen; das Schmuckstück der Stadt ist das Schloss Budatin. Einst Grenzfestung auf der Kreuzung der Handelswege, wurde es später zum Schloß umgebaut, in deren Inneren sich heute ein Museum mit einer weltweit einzigartigen Sammlung von Kunsthandwerk und handwerklichen Produkten aus Draht befindet.

 

Nach der ausführlichen Schlossbesichtigung ging’s in die Schau-Höhlen Demänovska jaskyna slobody (Demänovaer Tropfsteinhöhle).Sie ist 8126 m lang und wird auch „Höhle der Freiheit“ genannt (angeblich versteckte sich hier der Nationalheld Juraj Janosik). Einzigartig sind ihre Sinterausfüllungen und smaragdschimmernden Seen. Die Höhle - mit ihren einzigartigen Stalagtaten und Domen - eine der schönsten ihrer Art in Europa, wurde 1933 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wegen der gleichbleibenden Temperatur von 7 Grad Celsius und der hohen Luftfeuchtigkeit eignet sich diese Höhle hervorragend für therapeutische Zwecke.

 

Um Wellness - auch in diesem Abschnitt der Slowakei – genießen zu können, fahren wir nach Liptovsky Mikulas (St. Nikolaus im Liptau) zumgrößtenAquapark der Slowakai,Tatralandia. Der Park erweckt mit seinen riesigen Wasserrutschen und duzenden Saunen sowie Dampfbädern schon ziemlich amerikanische Verhältnisse. 130m mußte man graben, um auf Thermalwasser zu stoßen. Das heilende Wasser von Tatralandia entspringt mit einer Temperatur von 60,7 Grad Celsius aus einer Tiefe von 2500m. Es enthält Überreste vom 60 Mill. Jahre alten Meerwasser, das sich wohltuend auf den Bewegungs- und Atmungsapparat auswirkt.

 

Etwas beschaulicher geht es schon im Kurbad Rajecke Teplice zur Sache. Das Im Kurort befindliche Behandlungs- und Relaxhotel Aphrodite bietet mit seinen, seit dem 14. Jhd. bekannten Thermalquellen, bestes „Hydrogencarbonat-Wasser“ (z.b. bei Krankheiten des Bewegungsapparates, der Gelenke, Nerven und Wirbelsäule). Ein gehobenes, dem westlichen Standards entsprechendes Haus mit durchaus leistbarer Apanage.

 

Bevor wir die facettenreiche Slowakei wieder verlassen, erzählt man uns noch von der größten slowakischen Legende, dem „Robin Hood - Räuber und Nationalheld“ - Juraj Janosik. Sein legendärer Ruf beruhte auf seiner Gewohnheit, Reiche zugunsten Armer auszurauben und zwar mit dem Spruch „Stopp, deine Seele zu Gott aber dein Geld zu mir“. Bis heute gilt Janosik als Mythos in den westlichen Karpaten, der Slowakei und auch in Polen. Er steht neben seiner Rolle als edler Räuber für den langen Kampf der Slowaken, um die nationale Eigenständigkeit gegenüber Österreich und Ungarn. Noch heute werden in der slowakischen Kleinstadt Terchova die sog. Janosik’s-Festival-Tage zum Gedenken an seine Heldentaten abgehalten. Juraj Jansoik wurde übrigens ob seiner „guten“ Taten 25-jährig im Jahre 1713 hingerichtet.

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