25 Jahre Wiener Publikum

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs rückten Bratislava und sein Opernhaus nach rund fünf Jahrzehnten wieder in unmittelbare Nähe zu Wien sowie in das Bewusstsein der Menschen. Seither hebt sich der Vorhang des Slowakischen Nationaltheaters – in den 1990-er Jahren auch als „Wiens drittes Opernhaus“ bezeichnet - wieder regelmäßig vor Wiener Publikum. Auf rund eine halbe Million werden die Opernbesucher aus Österreich geschätzt. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Opernfahrten nach Pressburg findet am 20. September eine Galavorstellung der Opern „Cavalleria rusticana“ und „I Pagliacci“ mit Startenor José Cura statt. Damit feiert die Oper Bratislava – gemeinsam mit Elite Tours - ihr Wiener Stammpublikum und möchte auch wieder vermehrt über die Grenze hinaus auf sich aufmerksam machen.

 

Oper Bratislava und Wien – Eine historische Verbindung

Historisch ist das Opernhaus in Pressburg nicht nur aufgrund seiner Erbauer – das Wiener Architekten-Duo Fellner und Helmer errichtete Ende des 19. Jahrhunderts das historische Gebäude im Stadtzentrum – eng mit Wien verbunden. Zur Zeit der Donaumonarchie und auch während der Zwischenkriegszeit herrschte ein intensiver kultureller Austausch zwischen den beiden Städten.

 

Das deutsche Theater existierte neben einem ungarischen und dem 1920 gegründeten tschechoslowakischen Ensemble bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Zwischenkriegszeit war eine künstlerisch äußerst fruchtbare Zeit. Komponisten wie Richard Strauss und Pietro Mascagni dirigierten ihre Werke in Pressburg selbst und berühmte Sänger der Wiener Staatsoper standen auf der Bühne. Das Ensemble der Pressburger Oper trat regelmäßig auf Wiener Bühnen auf, und umgekehrt, die damals besonders fortschrittliche Volksoper gastierte oftmals in Bratislava. Auch die Wiener waren interessiert an dem kulturellen Geschehen über der Grenze. So fuhr man bereits in den 1930er-Jahren gelegentlich für einen Opernabend zum Nachbarn. Dort bekam man Werke zu sehen, die in den Wiener Opernhäusern nicht zur Aufführung kamen, konnte seine Gesangslieblinge aus der Staatsoper auf deren Heimatbühne erleben oder neue Talente entdecken und sozusagen von der Pike auf verfolgen.

 

Während der Zeit des Kommunismus wurde mit dem Eisernen Vorhang eine nahezu undurchdringliche Trennlinie gezogen. Grenzüberschreitende Kulturausflüge gehörten der Vergangenheit an. Nur einzelne slowakische Ausnahmestimmen schafften es in dieser Zeit in den Westen. Lucia Popp und Edita Gruberová etwa mussten die Heimat verlassen, um ihre internationalen Karrieren zu verwirklichen. Der Tenor Peter Dvorský und der Bass Sergej Kop?ák gehörten der darauffolgenden Generation an und konnten beides vereinen.

 

25 Jahre Wiener Publikum

Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs rückte die Oper Bratislava nach rund fünf Jahrzehnten der politischen und kulturellen Distanz wieder in unmittelbare Nähe und in das Bewusstsein der Wiener Musikfreunde. Seit 25 Jahren hebt sich der Vorhang des Slowakischen Nationaltheaters nun wieder regelmäßig vor Wiener Publikum. Die ersten Opernfahrten (Firma Elite Tours) starteten im April 1990 und wurden anfangs zögerlich aber mit großer Begeisterung ob der Qualität der Aufführungen angenommen. Das Interesse wuchs in den folgenden Jahren stetig, so dass in Spitzenjahren bis zu 20.000 Gäste mit Elite Tours nach Pressburg kamen. Laut Schätzungen des Slowakischen Nationaltheaters haben seit 1990 insgesamt rund eine halbe Million Besucher aus Österreich Vorstellungen der Oper Bratislava besucht.

 

Marián Chudovský, Generaldirektor des Slowakischen Nationaltheaters: „Vor 25 Jahren fielen die Barrieren. Die Aufhebung der physischen Barrieren in Gestalt von unsinnigen trennenden Grenzlinien hat den freien Verkehr ermöglicht. Die Aufhebung der Barrieren in unseren Köpfen hat sicherlich beide Seiten bereichert. In der ersten Zeit nach der Wende haben wir im historischen Gebäude gerne gelauscht, wie sich im Gesprächsgetümmel vor den Vorstellungen oder während der Pausen unter die slowakischen Worte auch deutsche Worte gemischt haben. Etwas später haben wir dann ganz selbstverständlich begonnen für unsere Gäste aus Österreich auch Werbematerial in deutscher Sprache zu erstellen. Europas Nationen nähern sich einander immer mehr an. Die künstlerische Darbietung auch bekannter Werke wird aber immer unterschiedliche Züge aufweisen, basierend auf die Volkstraditionen, Fühl- und Denkweise, sowie die jeweils eigene Poetik.“

 

Wilhelm Böhm, Geschäftsführer Elite Tours: „Wir Wiener haben das Glück, mit dem Nationaltheater in Bratislava sozusagen über ein viertes Opernhaus zu verfügen. Welche Stadt kann das sonst von sich behaupten? Die Oper Bratislava kann sich qualitativ durchaus mit den Wiener Opernhäusern messen. Die Zahl der Opernbesucher, die regelmäßig zu den Aufführungen nach Bratislava fahren, ist relativ überschaubar. Es handelt sich dabei aber durchwegs um Kenner und ein Publikum, dass die Qualität der Aufführungen schätzt. Dabei sollten wir diese einzigartige Möglichkeit noch stärker wahrnehmen und über den eigenen Tellerrand blicken, um zu vergleichen und neue Eindrücke mitzunehmen. Und geographisch gesehen liegt Pressburg bekanntlich um einiges näher als Salzburg, Bayreuth oder Mailand. Mit der Jubiläumsvorstellung im September, für die wir einen Star wie José Cura gewinnen konnten, möchten wir die Oper Bratislava auch bei uns wieder einmal ins verdiente Rampenlicht rücken.“

 

Jubiläumsvorstellung „Cavalleria rusticana“ und „I Pagliacci“ mit José Cura

Am 20. September wird das Wiener Publikum mit einer Jubiläumsvorstellung mit Startenor José Cura im Neuen Opernhaus gefeiert. Zu sehen sein werden die beiden Einakter „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni und Ruggero Leoncavallos „I Pagliacci“ unter der Regie von Marián Chudovský, mit José Cura in der Rolle des Canio sowie u.a. Jolana Fogašová, Miroslav Dvorský, Jitka Sapara-Fischerová, Aleš Jenis, Sergej Tolstov, Katarína Juhásová-Štúrová, Monika Fabianová.

Für die Anreise in die nur wenige Kilometer entfernte slowakische Hauptstadt kann aus drei Varianten gewählt werden: malerisch per Schiff donauabwärts durch den Naturpark Donauauen, vorbei an Hainburg und der Burg Devin bis nach Bratislava; wie anno dazumal mit dem Nostalgiesonderzug in nur einer Stunde von Wien Hauptbahnhof nach Pressburg/ Petržalka oder bequem per Bus.

 

Slowakisches Nationaltheater

Das slowakische Nationaltheater in Pressburg vereint heute die drei großen Bühnenkünste - Oper, Schauspiel und Ballett - in zwei Häusern. Neben dem von dem Wiener Architekten-Duo Fellner und Helmer errichteten historischen Gebäude im Stadtzentrum, wird seit 2007 auch das neue Opernhaus an der Donaupromenade bespielt. Seit 2012 ist Marián Chudovský Generaldirektor des Slowakischen Nationaltheaters. Im selben Jahr wurde auch der österreichische Dirigent Friedrich Haider zum musikalischen Leiter ernannt.

 

Elite Tours

Das Reisebüro Elite Tours, Spezialist für Opern- und Kulturreisen, ist seit der ersten Stunde wichtigster Kooperationspartner des Slowakischen Nationaltheaters in Wien und bietet Busarrangements zu nahezu allen Oper- und Ballettaufführen nach Pressburg.