Ein Besuch in Nordzypern

Ein Urlaub auf Zypern ist punkto Anreise ein Kinderspiel, die Insel ist leicht zu erreichen - wie heute üblich - mit dem Flieger und für den Aufenthalt gibt es jede Menge Anbieter. Das gilt für das EU Mitglied Zypern.

Dagegen ist der Flug von Wien nach Nordzypern äußerst beschwerlich und lang....von Wien nach Istanbul mit Zwischenstopp - natürlich braucht man auch noch ein Visum, denn man muss - man glaubt es kaum, aus der Türkei auschecken und wieder einchecken, damit man zum Flughafen Ercan gelangt, die Wartezeit hier fast 5 Stunden; die gesamte Reisezeit bis man sein Reiseziel erreicht, dauert zwischen 10 - 12 Stunden mit Stopps; Hinflug nach Ercan mit der Atlasjet: eine tolle sexy hexy Crew (Stewardess in Rot gekleidet und mit Highheels) und außergewöhnlich freundlich auch im Verteilen von Essen und Trinken ; das Retourfliegen mit der Ononair, nunja wir waren nicht wirklich zufrieden: unaufmerksame Crew, desinteressiert am Passagier und ohne Getränke oder Snacks!!!!

Ob man sich das für eine Kurzreise antut, ich wage es nicht zu behaupten.

 

Will man den Norden der seit 1974 geteilten Insel besuchen beginnen schon die Schwierigkeiten mit dem Wunsche während eines Zypernurlaubes im Süden, diesen zu besuchen; es gibt nur wenige Übertrittsstellen auf der Insel in die "Türkische Republik", die übrigens von keinem Land der Welt - außer der Türkei - als eigener Staat anerkannt wird. Eine in der Hauptstadt Nicosia (griechisch Lefkosia), eine im Westen und eine im Osten in der Nähe von Agia Napa.

Doch wir wollten den Norden zur Gänze kennenlernen und nicht nur punktuell vom Süden aus. Im Süden wird man bei den griechischen Zyprioten noch immer scheel angesehen, wenn man den Wunsch äußert, den Norden besuchen zu wollen. Zu tief sitzt die Abneigung der Zyprioten gegen die türkischen Okkupanten und die Erinnerung an die Vertreibung.

Der Besuch von Nordzypern ist ausschließlich über die Türkei möglich, es gibt keine anderen Flüge in die "Türkische Republik von Nordzypern". Als es noch ein einheitliches Zypern gab, wurde der Norden wegen seiner Traumstrände buchstäblich überrannt und der Süden war kaum interessant für sonnenhungrige Touristen. Höchstens für Freunde der Geschichte, historischer Stätten oder archäologischer Sensationen. Seit der türkischen Okkupation ist alles anders: jetzt ist der Süden überrannt, die "Türkische Republik Nordzypern" ist wenigen, vor allem Türken aus dem Festlande vorbehalten.

 

Unser Trip beginnt in der idyllischen Stadt Kyrenia (Girne) mit mediterrianes Flair. Das Meer ist hier paradiesisch schön, es gibt Strände, wo man buchstäblich wie in der Karibik zwischen Fischen schwimmt. Das Land stimmt traurig, obwohl die Dörfer um Kyrenia pittoresk und anmutig sind, fehlt ihnen etwas; Klöster und Kirchen gibt es kaum mehr, kein einziges christliches Glaubensdenkmal - nach der Okkupation in Moscheen umgewandelt oder in Restaurants bzw. Discos.

Nach einem kurzen Abstecher zur Kirche und ins Bergdorf Karaman (auf 300m Höhe am Fuße des Pentadaktylos Gebirges), geht die Fahrt weiter zum Wahrzeichen Girnes der Festung von Kyrenia, die größte mittelalterliche Burg der ganzen Insel, der Fischerhafen samt Leuchtturm , die Cafer Pascha Moschee hinter der Hafenpromenade, das Schiffswrackmuseum (antikes Frachtschiff samt Ladung zu sehen), die Folterkammer, der hufeisenförmig angelegte antike Hafen; zum Verweilen laden die vielen Einkaufsläden, Straßencafes und Restaurants ein.

Den Tagesabschluß bilden, direkt hinter Kyrenia gelegen, das idyllische Bergdorf samt seinen 800 Jahre alten gotischen Klosterruinen der Bellapais Abtei auf einem Felsvorsprung am Fuße des Pentadaktylose Gebirges gelegen. Man erzählt sich, daß sie wegen Vielweiberei geschlossen wurde. Von hier aus hat man einen grandiosen Blick auf das Meer, die Berge, Weingärten und über die Küstenebene.

Zu sehen u.a. Abtei, Kirche, Kreuzgang, Sarkophage, Callarium oder der wunderschön blühende Garten. Übrigens kann man hier unterhalb der Klosterruinen im BotiqueHotel Bellpais Garden hervorragend dinieren; die Küche ist haubenverdächtig, angeboten wird eine anspruchsvolle zyprische und internationale Küche im sehr gepflegten Rahmen. angea Der Komplex gleicht einem Landhaus mit allem Komfort; Bellpais Garden hat 17 Zimmer, einen von einer alten Quelle gespeisten Pool und ein Traumgarten, der die Flora Nordzyperns widerspiegelt; Hoteldirektor Abit spricht deutsch.

 

Einer der ersten Höhepunkte auf unserer Rundreise ist die Bergfestung St. Hilarion auch „Schloß der 1000 Gemächer“ genannt in der Nähe der Küste. Hunderte Stufen müssen überwunden werden bis die Burg erreicht ist. König Richard Löwenherz hatte es schon leichter, er überwand die vielen Stufen, nahm die Festung ein und niemand machte es ihm streitig; erst im 15. Jahrhundert wurde sie von den Venezianern geschliffen. Die Ruine besteht aus der Vor- Unter- und Oberburg. Man hat eine grandiose Aussicht auf Girne. Hier sind die UNO Blauhelme stationiert und die Zufahrt zur Burg wird militärisch überwacht.

Weiterfahrt zur neuen Markthalle, die Obst, Gemüse, Souvenirs, Süßgkeiten uvm. feilbietet und dem Basarviertel mit der Büyük Han - der großen alten Karawanserei in Nicosia, gebaut von ersten osmanischen Gouverneurs Muzaffer Pasas. War früher Gefängnis und Armenhaus; heute beinhaltet dieses Bauwerk im Parterre und Obergeschoß viele bunte Einkaufsläden, Cafes, Kunsthandwerkläden und Restaurants. Wahrzeichen des Büyük Han sind Gnome und achteckige Kamine (früher befanden sich hier Zimmer mit Kamin).

 

Nicosia, sowohl türkische als auch zypriotische Hauptstadt. Wer schon vor Jahren in Nicosia im türkischen Teil war, wird sich sehr wundern: hat man hier noch die Türken in den Geschäften getroffen, die vor der Okkupation friedlich mit den griechischen Zyprioten zusammen lebten, so wird man sie jetzt vergebens suchen, entweder sind sie schon in Rente oder sie haben das Land verlassen. Nicht nur die Frauen, die früher zweisprachig aufwuchsen und sich wie die Griechen kleideten sondern auch die Zweisprachigkeit griechisch-türkisch sind verschwunden. Verschwunden sind auch eine der schönsten gotischen Kirchen von Nicosia, die ehemalige Krönungskirche des Hauses Lusignan, geweiht der heiligen Sophie; im heutigen mittelalterlichen Stadtzentrum wurde diese entstellt und umgebaut zur Selimiye Moschee mit zwei Minarette.

Nicosia Walled City kleine Gassen und Straßen fast menschenleer; direkt neben der Green Line (seit 40 Jahren von UN Soldaten bewacht – Trennung Nord- und Südzypern); das Samanbahce Viertel, eine autofreie Wohnanlage, die sich in fünf Reihen parallel zur Girne-Straße hinzieht. Im Mittelpunkt der Anlage liegt ein von einer Kuppel überdeckter Brunnen des früheren Wasserversorgungsnetzes, das aus dem Hügelgelände südwestlich der Stadt gespeist wurde.

Über Alagada - ein Abstecher zum wilden Schildkrötenstrand, der zur Eiablage der Meeresschildkröten hervorragend geeignet ist - geht`s weiter in den Distrikt Güzelyurt (Anbauplantagen für Zitrusfrüchte, Bananen und Gemüse) . Sehenswertes: das Reiterstandbild Atatürks, das archäologische und Naturkunde-Museum – war früher Sitz des orthodoxen Bischofs und das hier befindliche Agios Mamas Kloster, in dem sich Ikonen, das Bildnis des Hl. Mamas (Schutzpatron der Steuerhinterzieher) sowie der Marmorsarkophag des Eremiten befinden soll.

Wir freuen uns alle schon auf Famagusta (Hafen- und Mauerstadt) auch die Perle des Mittelalters genannt, unsere nächste Station, die aber eher wie eine Geisterstadt wirkt. Sie ist die zweitgrößte Stadt Nordzyperns und war eine bedeutende Touristen- und Hafenstadt, allerdings vor 1974. In Varosha, das griechische Stadtviertel war vor der Okkupation der Ferienort par excellence auf der Insel Zypern. Hier relaxten u.a. Sophia Loren, Elisabeth Taylor, Raquel Welch oder Brigitte Bardot. In den 70er Jahren gab´s hier Hotels, Banken Theater und Kinos, viele Luxusläden und Boutiquen.

 

Heute ist vom Luxus vergangener Tage nicht einmal mehr ein Hauch geblieben: die Hotel- und Strandanlagen sind durch die Bombenangriffe beschädigt und hinter Stacheldraht, dh. militärisches Sperrgebiet; alles wird strengstens überwacht und darf nur vom türkischen Militär und UN-Kontrolleuren betreten werden.

Die ehemals spätbarocken Kathedrale Peter und Paul - ein Turm wurde halb abgetragen, bekam ein Minarett aufgesetzt und wurde zur Sinan Pata Moschee umgewandelt; die antike Hafenanlage und der berühmte quatratische Othello Turm - hier soll sich Shakespeare seine Ideen für seinen tragischen Mohren-Helden geholt haben, das Seetor, die Franziskanerkirche und das türkisches Bad, die Zwillingskirchen der Templer und Johanniter, die Canbulat- oder Djambulat Bastion (Mausoleum) und das Archäologisches Museum, die im 16. Jahrhundert in die Lala Mustafa Pascha Moschee umgebaute Nikolauskathedrale sind u.a. Touristenattraktionen; nicht zu vergessen auch die schönen Sandstrände nordöstlich von Famagusta.

Eine Reise wert sind im Südosten der türkischen Zypern Republik nicht nur die antike Stadt Salamis, ein Eldorado für Geschichtsinteressierte - sehenswerte Überreste u.a. Agora, Gymnasium, Basilika, Ruinen des Zeustempels und der über 4000 Jahre alten Stadt Enkomi, Zisterne, Thermen und das Theater. Fährt man Richtung Banrnabaskloster kommt man zu den freigelegten Königsgräbern – übriges das längste Gräberfeld Zyperns sondern auch das - 2 km nördlich der Ruinenstadt Salamis gelegene St. Barnabas Kloster, das noch immer so aussieht, wie man sich ein griechisches Kloster vorstellt. Das verdankt es den vielen Ikonen, die sogar von den Türken in Museumsform akzeptiert werden. In Salamis könnte man Tage verbringen und unter dem steten blauen Himmel in die Welt der Antike eintauchen. Interessant der Arkadenhof und die Kapelle; gegenüber der Klosteranlage ist eine Kapelle, in deren Inneren eine Treppe zum Grab des Hl. Barnabas führt. Wurde hier offensichtlich

Über die Karpaz Halbinsel, die bis Ende der 80er Jahre militärisches Sperrgebiet war, geht’s weiter zum Wildeselschutzgebiet „Milli Park“ - übrigens ein Geheimtipp - mit fast unberührter Natur, langen Sandstränden und kaum Touristen. Ihre Spitze bildet das Kap Apostolos Andreas (Andreaskloster); die Halbinsel ist ca. 80km lang und 10km breit; das Kloster war einst ein wichtiger Pilgerort orthodoxer Gläubiger; unterhalb des Klosters steht eine winzige Kapelle über der Quelle des Hl. Andreas (Schutzheiliger der Seefahrer); die Inselbewohner leben von Viehzucht und dem Anbau von Johannisbrot- und Ölbäumen.

Die Wildesel von Karpaz haben hier ein zu Hause gefunden; sie stellen sich mitten auf die Fahrbahn und lassen die Autos nur passieren, wenn man sie mit Johannisbrotfrüchte oder Äpfel „besticht“ sprich füttert.

Weiter geht’s vorbei an Olivenbäumen und Tamarisken zum Höhepunkt der Reise - dem Golden Beach, ein mehre Kilometer langes Strandparadies mit begrünten Dünen und kleinen Holzhäuschen, Wüstensand, glasklarem Meer und Fischen, die sich um die Schwimmer herum tummeln – offenbar kennen sie kaum Menschen – ein beeindruckendes Erlebnis. Hier scheint die Welt stillzustehen. Ein Paradies nicht nur für die nächtliche Eiablage der Meeresschildkröten sondern auch für Touristen, die hier kaum berührte Natur noch voll genießen können.

Das Dorf Dipkarpaz dominiert das äußere Ende der Halbinsel war im 13. Jahrundert orthodoxer Bischofssitz; kurzer Halt bei der Atatürk Statue; gegenüber dieser stehen eine griechisch-orthodoxe Kathedarale Agios Synesios und die Dorfmoschee in stiller Eintracht nebeneinander - wie in vergangener Zeit. In der Zeit als türkische und griechisch zypriotische Abgeordnete im Parlament in Nikosia friedlich nebeneinander saßen und das Schicksal der Insel gemeinsam bestimmen.

 

Ob man in der "Türkischen Republik von Nordzypern" einmal die selbstgewählte Isolierung aufgeben, sich von der Türkei abwenden und in ein friedliches EU Zypern überwechseln wird, wir werden es sehen!!!

 

Der Reise-Führer konnte sich "schwer" an die europäischen Sitten und uns gewöhnen - also nicht wirklich das, was man sich vorstellt, wenn man als Gast in ein Land kommt - schade und das Hotel gab uns das Gefühl "unwillkommen" zu sein; wobei die einheimische Bevölkerung uns gegenüber aufgeschlossen und liebenswürdig war.

fotocredit: ifpa