Nach 30 Jahren (wieder) zurück auf der Riegersburg

Die Riegersburg - erstmals 1122 urkundlich erwähnt ist genau der Ort, an dem 1673 95 Menschen angeklagt wurden - sie war Schauplatz des größten und grausamsten steirischen Hexenprozesses; unter den Delinquenten befanden sich u.a. auch die Blumenhexe von Riegersburg - Catharina Paltauf & die Burgherrin Katharina Freifrau von Galler (Gallerin oder auch "Schlimme Liesl" genannt ) - sie alle wurden bestialisch gefoltert und gerädert. Übrigens spielte bei den Hexenprozessen der Riegersburgbesitzer Graf Johann Ernst Purgstall eine besondere Rolle als Hexenrichter.

Feldmarschall Raimund Graf von Montecuccoli bezeichnete das oststeirische Wahrzeichen auf dem 482m hohen steilen Vulkanfelsen als die „stärkste Festung der Christenheit“ (1664).

 

Exakt 30 Jahre ist es schon her, daß 1987 die best besuchteste, erfolgreichste, steirische Landesausstellung mit über 355.000 Besuchern einen historischen Impuls in unserer Region und darüber hinaus setzte. Seit damals erreichte man leider nie wieder einen so großen Ansturm an Ausstellungsinteressierten, der durchaus auch als Initialzündung des heimischen Tourismus verstanden werden kann.

 

„Und daher  haben wir diesen Anlaß genutzt, um die seit drei Jahrzehnte  laufende Ausstellung Hexen und Zauberer komplett zu erneuern und zu erweitern und den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Mit professioneller Unterstützung war das Thema nicht nur zu überarbeiten, sondern auch Aktuelles aufzugreifen. Dadurch sind gänzlich neu adaptierte – noch nie in dieser Form gezeigte Räume hinzugekommen. Die Neugestaltung dauerte fünf Monate. Dem Hexenmuseum wurde „neues Feuer eingehaucht“ durch viele engagierter Mitarbeiter in 12 Räumen auf 500m2; somit soll den Besuchern die – einst wie jetzt - gleichbleibend aktuelle Thematik in modernster neuer Form veranschaulicht werden.

 

Das Thema hat durch die Jahrzehnte leider nicht an Brisanz verloren. Nein, ich erlaube mir zu sagen, daß in den letzten eineinhalb Jahren Hetze, Verfolgung, Ausgrenzung und Diskriminierung einen neuen Höhepunkt gefunden hat. Schon lange hat die Gesellschaft nicht mehr so auseinanderzubrechen gedroht wie in unserer Zeit, an dieser Thematik. Unvorstellbar, daß in anderen Kontinenten bis zum heutigen Tag noch immer Menschen als Hexen und Zauber denunziert, verfolgt und auf grausamste Art und Weise hingerichtet werden. Im Zuge unserer Recherchen sind wir leider auf allzu viele dieser Beispiele gestoßen", so Burgbesitzer Dr. Prinz Emanuel von und zu Liechtenstein.

„Als zusätzlicher Höhepunkt der Ausstellung wird erstmals ein besonders makaberer archäologischer Fund unseres Landes präsentiert: Das vor drei Jahren gefundene und vollständig erhaltene Skelett eines vor 400 Jahren Geräderten aus dem oberen Murtal. Dieser Corpus ist ein Unikat in Österreich und vielleicht auch in ganz Europa; Richtstätten-Archäologie wurde sehr lange als Stiefkind behandelt und tritt jetzt endlich aus dem Schatten hervor. Es geht hier um Aufklärung, den Erhalt sowie die Vermittlung von Wissen. Dieses darf in keinster Weise in Vergessenheit geraten. Wir müssen weiterhin in aller Stärke an die Gräueltaten unserer Vergangenheit aber auch der Gegenwart gemahnen. Denn leider ist die Zeit von Aberglaube und „Verfolgung“ noch immer nicht zu ENDE!!!“, so Dr. Andreas Scheucher, Scenomedia Steiermark.

 

Da bleibt dem jungen Burgherrn - seiner Durchlaucht - nur zu wünschen, daß die Besucherzahl sich annähernd an das Jahr 1987 anpaßt. Vorstellbar ist alles, denn schon vor 30 Jahren war der Ansturm enorm; Besucher strömten aus dem In- und Ausland per pedes hinauf zur Riegersburg, um die Ausstellung Hexen und Zauberer zu bestaunen – man hatte das Gefühl ein Ameisenschwarm kriecht die Burg entlang; so war’ s seinerzeit – heutzutage kann man den Burglift benutzen und diese Schrägseilbahn wird auch kaum stillstehen – denn Hexen und Zauber sind nach wie vor ein Besucher-Magnet. Karl Farkas, ein österreichischer Schauspieler und Kabarettist pflegte einst zu sagen: „Schau’n Sie sich das an“; ein Ausflug auf und um die Burg lohnt sich. Die Ausstellung startet ab 30. April 2017 mit einem spektakulären Eröffnungs-Jubiläumsfest und dazugehörigen Rahmenprogramm. Mit steirischen Schmankerln und Live Musik mit dem modern-historischen Spielvolk Rhiannon versorgt die Burgtaverne das hungrige Burgvolk.

 

Apropos Burg und Liechtenstein: Die Riegersburg ist eine der größten Anlagen Österreichs und war ein großen Bohlwerg gegen Osten; sie befindet sich seit 1822 im Besitz der fürstlichen Familie von Liechtenstein, welche um ihre Erhaltung bzw. Restaurierung dieses wertvollen Gutes bemüht ist. Der ältere der beiden Söhne, Dr. Prinz Emanuel von und zu Liechtenstein ist nicht nur Burgherr (wurde es mit 30 Jahren) und Obmann des Tourismusvereines sondern auch Allgemeinmediziner und Gutsverwalter; den Titel „Prinzen“ kann er auch in Österreich tragen, da er Liechtensteiner Staatsbürger ist. Daher weht der Wind auch durch die Flagge Liechtensteins mit goldener Fürstenkrone.

 

Ein lustiges Erlebnis hatte der Schreiberling dieses Artikels; traf er doch auf der Burg einen waschechten Berliner, der zur neuen Ausstellung Folgendes sagte: „Icke war vor 30 Jahrn schon ma da. Da hat mir die Ausstellung schon umjehaun und dafür freut et mir jetzt ganz doll, datt die wiederkommt und icke bin wieda dabei“. Na wenn das keine Mundpropaganda ist ......

 

Sehenswertes in der Burg und rundum: von der Gotischen Kapelle über den Rittersaal im Renaissancestil bis hin zum barocken Weißen Saal und dem Riegersburger Burgschmied, bei dem Besucher u.a. ihr eigenes Schwert, Hufeisen oder Anhänger selber schmieden können;  weiters das Hexen- und Waffenmuseum und im Sommer Events (beispielsweise die legenären Vollmondnächte)*;

Im Kletter- und Erlebnispark kommen Abenteurer mit Erlebnisführungen auf ihre Kosten. Der die Burg umgebende Eselssteig - ein sagenumwobener schmaler Weg - ist heute leider nicht mehr begehbar.

 

Sollte man sich spontan entschließen, ein paar Tage Urlaub zu machen, Übernachtungsmöglichkeiten sind vorhanden. So zwei Beispiele -Ferienwohnungen befinden sich nahe der Burg im Ortszentrum oder das terrassenförmig angelegte Genusshotel Riegersburg, das eingebettet in die Weingärten der Südoststeiermark einen grandiosen freien Blick auf das Bohlwerk Riegersburg bietet. Die Spezialität des Hauses ist das Starzenberger Dry Agend Beef.

www.veste-riegersburg.at/ferienwohnungen/www.genusshotel-riegersburg.at 

Keineswegs verlassen sollte man das Burggelände ohne bei der Riegersburger Greifvogelwarte vorbeizuschaun; diese wurde als erste Greifvogelwarte Europas mit dem höchsten Zoo-Status „A“ ausgezeichnet. Zu bestaunen u.a. nicht nur Kolkraben, Weißkopfseeadler, Bussarde, Milane oder Schnee-Eulen sondern auch atemberaubende Flugmanöver und Sturzflüge der Vögel. Auch selber zum Falkner werden ist hier nicht unmöglich.

www.greifvogelschau.at

 

*Vollmondnächte auf der Riegersburg:

Nicht nur für Erwachsene sondern auch für Kinder ein beeindruckendes Erlebnis: so u.a. das Erobern der Burg, Ritterschwertkämpfe oder die Bluthochzeit. Eine Wahrsagerin und der Burgschmied zeigen ihre Künste, dabei werden sie von den Trommlern begleitet; der Hofstaat in Kostümen aus der damaligen Zeit tratscht gerne mit den Besuchern.  Krönender Abschluß dieser Nacht ist der Hexensabbat und ein "feurige" Hexensturzflug über den Burggraben.

 

Kurzinfos:

Riegersburg-Öffnungszeiten:

April und Oktober  täglich von 10.00 – 18.00 Uhr

Mai bis September täglich von 9.00 – 18.00 Uhr

(Letzter Einlaß in die Burg 17.00 Uhr)

Ort: A-8333 Riegersburg Nr. 21/Tel. +43 (0)3153-8213-1

www.veste-riegersburg.at

 

Auffahrt oder Aufstieg auf die Burg: via Panoramalift oder auf dem erlebnisreichen Torwanderweg per pedes - dessen Aufstieg mitten im idyllischen Ortszentrum beginnt und sich durch sieben historische Tore, Wehrmauern und Schießscharten empor auf das Bohlwerk windet.

Burglift (Schrägseil-Panoramabahn): kostenpflichtig

Festungsareal/historischer Fußweg aufwärts/Klettersteige/Burgeintritt/Greifvogelwarte/Führungen: kostenpflichtig

(Hunde dürfen auf die Burg - nicht aber in die Museumsräume)

fotocredit: ifpa/veste-riegersburg